Chronik des MD und seiner ZFWW

Fachliche Arbeit und Herausforderungen 1986 » 1994

Inhalt

1. Einleitung

2. ZFWW 1986 » 1991

2.1 Arbeitsschwerpunkte und Herausforderungen
2.2 Fachliche Tätigkeit und Dienstdurchführung

3. Übergang der ZFWW in die Bundeswehr und deren Geophysikalischen Fachdienst

3.1 Personelle Veränderungen
3.2 Geophysikalische Beratungsstelle Kdo 5. LwDiv 1991 » 1994
3.3 Datenleitstelle Ost 1991 » 1994

4. Eckpunkte 1990 » 1994 und Erläuterungen




1. Einleitung

In der bisher vorliegenden Chronik für den Zeitraum 1986 bis 1994 ist nur wenig zur fachlichen Arbeit an der ZFWW und den Herausforderungen jener Zeit ausgeführt worden. Mit dem folgenden Beitrag wird daher eine detailliertere Schilderung nachgeholt.

Darüber hinaus gelten die unter 2.2. beschriebenen Ausführungen bereits für die seit 1979 selbst an der ZFWW erlebten Aufgaben und Tätigkeiten.

2. Die ZFWW 1986 bis 1991

Als Nachfolger von OSL Albrecht ist mit Wirkung vom 01.12.1986 OSL Alker zum neuen Leiter der Zentralen Flugwetterwarte (ZFWW) im Zentralen Gefechtsstand der Luftstreitkräfte (ZGS LSK/LV) bestellt worden. Vor ihm stand die Aufgabe, die ZFWW unter den sich auch in der NVA festzustellenden Veränderungen in der DDR zu führen und weiterzuentwickeln.

2.1 Arbeitsschwerpunkte und Herausforderungen

Neben der umfassende Sicherstellung des Routinebetriebes waren im Zuge der Weiterentwicklung der ZFWW drei wesentliche Themen umzusetzen:
Der Automatisierung von Arbeitsprozessen wurde in der ZFWW seit jeher große Aufmerksamkeit gewidmet. Dies in kontinuierlicher und einvernehmlicher Zusammenarbeit mit dem Meteorologischen Dienst (MD) der DDR, hier insbesondere der Zentralen Wetterdienststelle (ZWD) in Potsdam. An der ZFWW waren zuletzt dafür 6 Offiziers- und Fähnrich/Feldwebel/zivile Planstellen im Tagesdienst eingerichtet.

Bezüglich Einführung neuer Technik ging es darum, alte analoge Technik durch digitale elektronische Geräte zu ersetzen und diese in Netzwerke zu integrieren. So z.B. Fernschreiber, Funkempfänger, aber vor allem die Einführung und Vernetzung von Computertechnik. Dadurch gelang es, den gesamten meteorologischen Datenaustausch zwischen dem MD der DDR und der ZFWW sowie innerhalb des ZGS bis 1990 voll zu automatisieren. Es bestanden 1989 bereits bestätigte Konzepte zum vollautomatisierten Datenaustausch bis hin zu den FWW auf den Flugplätzen. Aufgrund der Wende kam es jedoch nicht mehr zur Realisierung der Vorhaben.

Seit Ende 1980 war die ZFWW bereits an das Nachrichtenvermittlungssystem (NVS) des MD der DDR, angeschlossen. Bildschirm und Tastatur standen beim Meteorologen in der ZFWW, das Rechnersystem befand sich beim MD in Potsdam. Anfangs war es „nur“ möglich, Meldungen und Bulletins abzurufen. In einer weiteren Ausbaustufe konnten ab der 2. Hälfte der 1980-iger Jahre dann sogar eigene Texte (z.B. Vorhersagen, Warnungen, ornithologische Lage) an der ZFWW verfasst und direkt in den Fernmeldeverteiler eingesteuert werden.

Innerhalb des ZGS bestand die Aufgabe besonders darin, den Datenaustausch mit der Rechenzentrale (RZ), dem Diensthabenden des ZGS sowie anderen Gefechtsabschnitten, z.B. Flugsicherung, weiter zu automatisieren. Automatisieren bedeutete, weg von der Rohrpost und hin zur Darstellung der Informationen auf Bildschirmen. Damit war natürlich auch eine Erweiterung des Informationsangebotes verbunden.

Zentrale Schnittstelle dafür war die Rechenzentrale. Dort wurden für die ZFWW die Projekte K-04, K-09 und B-48 gerechnet.

Gemäß H,-J. Albrecht, Datei k09.pdf, war das Programm K-09 das "zentrale Programm für die Verarbeitung meteorologischer Informationen. Es realisierte einerseits die Schnittstelle zwischen dem Mikro- Nachrichten-Vermittlungssystem (MNVS, MNVS »später System POGODA) in der ZFWW und dem Großrechner R 1040 in der Rechenzentrale und andererseits das Zeichnen von Wetterkarten mit dem Digigraphen."
Durch den Digigraphen regelmäßig gezeichnet wurden dabei zweimal täglich die große Europakarte (Grönland bis östlich von Moskau) und, in Abhängigkeit von der Wetterlage, häufiger pro Tag die Arbeitswetterkarte (Territorium DDR und angrenzende Gebiete).

K04 lieferte Wetterinformationen für den Diensthabenden des ZGS und andere Gefechtsabschnitte. Das Programm B-48 war ein reines Programm für die ZFWW. Es unterstützte den Meteorologen bei der Bewölkungsprognose.

Ein Höhepunkt in der Automatisierung war 1987 die Einführung des digitalen Satellitenbildverarbeitungssystems „WILMA 4“. Es revolutionierte die Bereitstellung von Satellitenbildern für den Meteorologen und den Umgang damit. Die digitalen Satellitenbilder waren im Vergleich zur bisherigen Papierform (Foto- bzw. Faxpapier) qualitativ deutlich hochwertiger und der Meteorologe konnte interaktiv die Bilder bearbeiten. So gelang es zum Beispiel, Wolkenstrukturen in allen Höhen deutlich genauer herauszuarbeiten oder sogar Bodennebel frühzeitig zu erkennen.
Beim Vergleich mit heutigen Satellitenbildern stellt man leicht fest, dass die Bildauflösung damals deutlich schlechter war. Das lag jedoch nicht an diesem System, sondern an der damals in den Satelliten verbauten Technik. So lag bei dem von der Erde 36 000 km entfernten geostationären Satelliten "Meteosat" die Bildauflösung nur bei 2,5 mal 2,5 bzw. 5 mal 5 Quadratkilometern pro Pixel und bei den in etwa 400 km Höhe polumlaufenden Satelliten zumindest schon bei rund einem Quadratkilometer. Nicht zuletzt führte das digitale System zur Einsparung von Material und Arbeitskraft.
Eng verbunden mit „WILMA 4“ ist der Name Hauptmann Dipl-Met Dr. Olaf Hellmuth. Er hatte im Rahmen seiner Dissertation den Bau des Systems begleitet und für einen äußerst anwendungsbereiten Umgang damit durch den Meteorologen gesorgt.
Leider wurde „WILMA 4“ 1993 nach einem Defekt durch den neuen Fachdienst, den Geophysikalischen Beratungsdienst der Bundeswehr, außer Betrieb genommen und keiner anderen Verwendung mehr zugeführt.

Mit der Einführung digitaler Technik und Automatisierung ging einher, dass Arbeitsräume der ZFWW entsprechend ihrer zukünftigen Funktionalität immer wieder umgebaut bzw. neu zusammengeführt werden mussten. Der letzte große Umbau fand 1990 statt. Von den anfangs 6 Arbeitsräumen blieben zum Schluss 3 übrig, der DM-Raum sowie zwei Räume für die Wetterinformationszentrale (WIZ). Davon ein Raum für die „leise Technik“ mit dem Arbeitsplatz des Diensthabenden WIZ (DWIZ) und ein Raum für die „laute Technik“, hier besonders für Fernschreiber, Fax-Geräte und vor allem das System „WILMA 4“.
  Skizze Raumaufteilung 1990

Die Umstrukturierung der Arbeitsprozesse im Schichtdienst war durch zwei Faktoren bedingt. Allen voran mussten von 1986 bis 1990 wegen des Erreichens der Altersgrenze von 50 Jahren in der NVA 3 von 4 Diensthabenden Meteorologen (DM) ersetzt werden. Gleichzeitig wurde es zunehmend schwieriger, Personal für militärischen Laufbahnen zu gewinnen. Das betraf sowohl die Laufbahn der Offiziere als auch die der Unteroffiziere.

Als Meteorologen waren durchweg Diplom-Meteorologen mit Universitätsabschluss und längerer Berufserfahrung eingesetzt. Die Unteroffiziere waren in der Regel Abiturienten und kamen nach einer halbjährigen Ausbildung für dann noch 2,5 Jahre an die ZFWW.

Wegen nicht mehr zu schließender personeller Lücken wurden ab Mitte der 1980-iger Jahre schrittweise die Dienstzeiten an den Divisionswetterwarten reduziert und schließlich diese Wetterwarten aufgelöst. Der dort zu erfüllende Arbeitsumfang ist von der ZFWW übernommen worden. Aus diesem Grund wurde an der ZFWW neben dem Arbeitsplatz des Diensthabenden Meteorologen der Arbeitsplatz Offizier Flugwetterdienst schichtfähig 24/7 neu eingerichtet.
Für diese Aufgabe kamen erfahrene Diplom-Meteorologen von diversen FWW an die ZFWW. Deren Aufgabe bestand darin, sämtliche meteorologische Tätigkeit, also Wetteranalyse und Wettervorhersage im nun umfangreicheren Aufgabenbereich, auszuführen. Der DM dagegen hatte sich „nur“ noch auf die operative Tätigkeit, jetzt aber auch gegenüber den Divisionen, zu konzentrieren.

Mit all diesen Maßnahmen und dem altersbedingten Ausscheiden hatte sich bei den Meteorologen bis 1989 eine deutliche Verjüngung des Personalbestands ergeben. Einerseits ging damit eine Menge an beruflicher Erfahrung verloren, aber andererseits waren viele der jüngeren Diplom-Meteorologen im Umgang mit Arbeitsplatzcomputern hervorragend qualifiziert und beherrschten ein bis zwei Programmiersprachen.

An dieser Stelle sind dabei die Diplom-Meteorologen Peter Bittorf und Jens-Peter Leps hervorzuheben. Ihre Programmierungen führten zur Darstellung aerologischer Meldungen (Temperatur- und Feuchteverlauf mit der Höhe) und zur Berechnung astronomischer Daten für beliebige Orte auf der Erde auf den am Arbeitsplatz des Meteorologen vorhandenen PC. Ebenso hatten sie dafür bereits ein Programm zur Darstellung von Wetterkarten, wie im folgenden Bild zu sehen ist, entwickelt.

  Wetterkarte digital » Software-Eigenentwicklung
  03.09.1988 » Bildschirmcopy vom 8-Bit PC K1715

Wie bereits weiter oben und nachfolgend beschrieben, werden zum Vergleich 2 Bilder von Wetterkarten dargestellt, wie sie durch den Digigraphen in der Rechenzentrale gezeichnet wurden.

  Ausschnitt Wetterkarte, mit Digigraph gezeichnet   Ausschnitt Wetterkarte » Detail

Nicht unerwähnt bleiben soll im Zusammenhang mit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten Thomas Schumann. Er besetzte die einzige zivile Meteorologen-Planstelle an der ZFWW und war für einen einjährigen Forschungsaufenthalt in der Antarktis zum MD der DDR, Aerologisches Observatorium Lindenberg, abgeordnet. Zur Wiedervereinigung am 03.10.1990 befand er sich mit seinen Kollegen in der Antarktis. Gegangen als Bürger der DDR, gekommen als Bundesbürger.

Bei den Unteroffizieren konnte der Personalbestand bis 1989 einigermaßen stabil gehalten werden. Dennoch kam es dazu, dass Schichten teilweise nicht mehr mit der Sollstärke von 5 Unteroffizieren besetzt werden konnten. Aufgrund der bis dahin bereits konsequent vorangetriebenen Automatisierung von Arbeitsprozessen, konnten diese Ausfälle kompensiert werden.
So wurde beispielsweise das zeitaufwändige Zeichnen von Wetterkarten in der Regel nur noch vom Digigraphen in der Rechenzentrale erledigt. Das Kartenzeichnen an der ZFWW diente dem Erhalt des Trainingszustandes und der Ausfallsicherheit.

2.2 Fachliche Tätigkeit und Dienstdurchführung

In ihrer fachlichen Tätigkeit war die ZFWW insbesondere verantwortlich für das Führen und Gewährleisten der meteorologischen und ornithologischen Sicherstellung:
durch Bereitstellen ausgewählter:
Die ZFWW hatte demzufolge selbst keine Flugwetterberatung durchzuführen, sondern mit ihrer Arbeit dazu beizutragen, dass Entscheidungsträger, wie z.B. der Diensthabende ZGS oder Flugsicherungsorgane, unter Berücksichtigung der meteorologischen Situation in die Lage versetzt wurden, fundierte operative Entscheidungen für den Einsatzraum der LSK/LV zu treffen.

Analog verlief es auf Fachebene. Im täglichen Dienst war die ZFWW mit der operativ-fachlichen Führung der Flugwetterwarten der dem Kdo LSK/LV direkt unterstellten Truppenteile, der unterstellten Verbände der Luftverteidigungsdivisionen, der Marine, der Armeefliegerkräfte und der Grenztruppen beauftragt.
Fachliche Führung bedeutete, dass sich die Meteorologen in den unterstellten FWW an den durch die ZFWW gesetzten fachlichen Rahmen zu halten hatten und diesen nur nach Rücksprache ändern durften.

Die fachliche Führung wurde realisiert durch: In ihrer Arbeit wurden die Diensthabenden Meteorologen durch die Wetterinformationszentrale (WIZ), dem Diensthabenden WIZ (Dienstgrad Fähnrich/Oberfähnrich) und 5 Wettertechnikern im Dienstgrad Unteroffizier bzw. Unterfeldwebel unterstützt.
Hinzu kam an Wochentagen im Tagesdienst eine Diplom-Meteorologin, später ein Diplom-Meteorologe, die in der rein fachlichen Arbeit unterstützend gewirkt haben.

Das Personal der WIZ hatte sämtlichen meteorologischen und ornithologischen Datenaustausch innerhalb und außerhalb der ZFWW und des ZGS zu realisieren. Es war für den Empfang der erforderlichen Unterlagen, das heißt insbesondere routinemäßig Wettermeldungen, aerologische Meldungen, Wetterkarten, Radar- und Satellitenbilder, vom Meteorologischen Dienst der DDR, diversen militärischen Funksendern des Warschauer Vertrages und einem Wettersender der Bundeswehr zuständig. Bei Bedarf auch für den Empfang anderer Wetterdienste.

Ein bedeutender Arbeitsschwerpunkt bestand im regelmäßigen Erfassen aller meteorologischen und ornithologischen Daten von den FWW, den Divisionen, einschließlich Offiziershochschule, der Marine, den Armeefliegerkräften, der Grenztruppen und der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland sowie deren Verbreiten zum Meteorologischen Dienst der DDR und teilweise in militärische Netze des Warschauer Vertrages.

Bis zur automatisierten Abarbeitung in der Rechenzentrale war für das manuelle Zeichnen von Wetterkarten und aerologischen Aufstiegen ein Unteroffizier vorzuhalten. Durch ihn waren regelmäßig zwei mal pro Tag die Wetterkarte Europa (Grönland bis östlich Moskau) und Aerologische Aufstiege alle 6 bzw. 12 Stunden für die Aufstiegsstellen in der DDR und je nach Wetterlage für Aufstiegsstellen der umliegenden Länder bzw. darüber hinaus auch für aktuelle operative Aufgabenstellungen zu zeichnen. Dazu kam auf Anforderung des DM das Zeichnen der Arbeitswetterkarte DDR. Je nach Wetterlage konnte es passieren, dass diese Karte stündlich zu zeichnen war.

Die ZFWW hatte 4 mal pro Tag an Konferenzschaltungen des MD der DDR (ZWD Potsdam, Seewetterdienststelle Warnemünde, Mitteldeutsche Wetterdienststelle Leipzig, Flughäfen Dresden und Erfurt) zur Absprache der Wetterentwicklung und Wettervorhersage teilgenommen. Aufgrund ihrer 24-Stunden-Dienste waren die Meteorologen der ZFWW wegen ihrer zeitlich längeren und für die Flugmeteorologie üblichen detaillierteren Wettervorhersage und Wetterüberwachung geschätzte Konferenzpartner.

Bevor Leitvorhersagen herausgegeben wurden, hatte die ZFWW federführend mit den DM der Divisionen und der OHS Wetterkonferenzen durchgeführt. Dies geschah 3 mal pro Tag, jeweils in Vorbereitung der Flugschichten auf den Flugplätzen. Also frühmorgens für den Vormittags-Flugbetrieb, am späten Vormittag für den Nachmittags-Flugbetrieb und am späteren Nachmittag für den Nachtflug.

Auf Grundlage der Daten vom Institut für Landschaftsforschung und Naturschutz der Akademie für Landwirtschaftswissenschaften, ornithologische Arbeitsgruppe Greifswald, und des täglichen Gesprächs mit dem dortigen verantwortlichen Ornithologen wurde die ornithologische Lage erstellt und verbreitet. Diese beinhaltete das aktuelle Vogelflugverhalten, Zugbewegungen und vor allem die voraussichtliche Auswirkung des Wetters auf Rast, Flug- und Zuggeschehen der Vögel. Für alle Beteiligten eine „Win-Win-Situation“!

Eine besondere Herausforderung für den Diensthabenden Meteorologen bildete jährlich für ca. 3 bis 4 Wochen die Arbeit in der Hilfsführungsstelle (HFS) des Kdo LSK/LV in Strausberg und der tägliche Wettervortrag zur Cheflage vor dem Chef LSK/LV und dessen Leitungsgremiums, der sonst vom LMD selbst bzw. eines Mitarbeiters von ihm gehalten wurde. Der Vortrag musste kurz und exakt sein, was bei komplizierteren Wetterlagen nicht immer einfach war.
Die Arbeit in der HFS war wegen der jährlichen Revision des Schutzbauwerkes im FBZ notwendig.

Zusätzlich zur Routinetätigkeit war auf Grundlage eines Jahresausbildungsplanes monatlich einmal spezialfachliche Aus- und Weiterbildung durchzuführen. Ein Meteorologe hatte sich auf ein wissenschaftlich interessantes und für die Dienstdurchführung sinnvolles Thema vorzubereiten und die Aus- bzw. Weiterbildung durchzuführen.

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass das zur DHS-Besatzung gehörende Personal jährlich eine Zulassungsprüfung zum Gefechtsdienst abzulegen hatte. Abgefragt wurde dabei ein breites Spektrum an Themen im Sinne eines Leistungsnachweises, das für die operative Dienstdurchführung erforderlich war. Daneben wurde im Rahmen der Dienstvorbereitung das Personal vor jeder Schicht formell zum Dienst zugelassen.

Nachfolgend werden noch vier Episoden aus dem täglichen Dienst an der ZFWW beschrieben. Die damals betriebene Geheimhaltung mag zwar übertrieben klingen, aber sie ist auch heute noch ein hohes Gut in den Streitkräften. Der Dienst war sicherlich fordernd, aber darin lag auch die große Chance, komplizierte Wettersituationen mit sehr guten Vorhersagen zu meistern. Wie zu erkennen ist, gab es im Dienst auch heitere Momente.

Episode 1: Wetterkonferenzen mit dem Meteorologischen Dienst der DDR

Aus Gründen der Geheimhaltung wurde nach dem Umzug des ZGS 1978 von Strausberg nach Fürstenwalde bei Wetterkonferenzen der Teilnehmername der ZFWW „Strausberg“ beibehalten. Auch wusste niemand, dass wir uns in einem Bunker befanden.

Während Wetterkonferenzen kam immer wieder einmal von der ZWD Potsdam oder anderen zivilen Kollegen die Anfrage:
„Wie ist aktuell bei euch in Strausberg das Wetter?“

Nun hatten wir 2 Probleme:
1. Niemand durfte wissen, dass sich die ZFWW nicht mehr in Strausberg, sondern in Fürstenwalde befindet
2. Wie ist das Wetter tatsächlich am ehemaligen Standort der ZFWW in Strausberg?

Bevor wir antworteten, haben wir uns mit der Ausrede geholfen, schnell noch einmal zum „Fenster rausschauen“ zu wollen und haben stattdessen auf die letzte Wettermeldung der Station Strausberg Nord (VS-14), auf das Wetterradar und Satellitenbilder geschaut.

Zu beachten ist, dass die ehemalige ZFWW und die Wetterstation in Strausberg Nord ca. 10 km Luftlinie auseinander lagen. Das kann beim Wetter einen riesigen Unterschied bedeuten. So z.B. bei den Fragen, ob es auch schon regnet oder ob die Front die ZFWW schon überquert hat.

Offensichtlich konnten wir bis zur Wende das Geheimnis gut wahren. Unsere Antworten schienen immer schlüssig gewesen zu sein.

Episode 2: Programm B-48

OSL Albrecht hatte bereits vor seiner Promotion zu Beginn der 1990-iger Jahre neben seiner Routinetätigkeit wissenschaftlich gearbeitet. In diesem Rahmen ist das Projekt B-48 entstanden, das in den 1980-iger Jahren zweimal täglich durch die Rechenzentrale gerechnet und der ZFWW zur Verfügung gestellt wurde.

Mittels B-48 wurde aus der horizontalen Luftdruckverteilung die sogenannte „bodenreibungsbedingte Vertikalbewegung“ in der Atmosphäre, also das Aufsteigen bzw. Absinken der Luftmassen bis ca. 1500 m über Grund, berechnet und vorhergesagt. Diese Angaben dienten der Unterstützung bei der Bewölkungsprognose. Aufsteigende Vertikalbewegung bedeutet Verstärkung, absinkende dagegen Hemmung, der Wolkenbildung in diesem unteren Höhenbereich.

Die Vorhersagen waren in der Regel hilfreich. Aber zuweilen kam es, wie es kommen musste. Keine Wettervorhersage ist 100 %-ig und insbesondere nicht, wenn der wetteraktive Bereich in der Atmosphäre mindestens bis 8 km und in Abhängigkeit von der Jahreszeit teilweise sogar noch deutlich höher reicht und eben nicht nur bis 1,5 km. Dann hatte OSL Albrecht zuweilen erheiternde Bemerkungen über das Projekt zu ertragen.

Episode 3: Die Rolle eines Gastwirts in der Wetterberatung

Hubschrauberflüge zu den Grenztruppen nach Meiningen bildeten kein Problem, solange die Wetterbedingungen ausreichend waren. War zu erwarten, dass weder ein Überflug über den Thüringer Wald noch ein westliches Umfliegen ohne Probleme möglich war, mussten zusätzliche Wetterinformationen eingeholt werden.

In diesen Fällen haben die Meteorologen gerne einen Gastwirt in der Nähe der Hohen Sonne bei Eisenach, am Westrand des Thüringer Waldes, angerufen und um Wettereinschätzung gebeten. Sobald er glaubhaft erklären konnte, dass Sicht und Wolkenuntergrenze ausreichen, wurde der Flug durchgeführt.

Episode 4: Wettervorhersage für einen Flug mit besonderer Bedeutung

An einem wunderschönen Tag Ende Dezember, nur ein paar sehr hohe Wolken, Sichtweite über 10 km und schwacher Wind, hatte der Diensthabende Meteorologe für einen Flug des Ministers für Nationale Verteidigung am nächsten Tag vormittags aus dem oberen Erzgebirge nach Strausberg vorhergesagt, dass dieser Flug, so wie er geplant war, nicht durchführbar sein wird.

Niemand konnte sich die Wetterverschlechterung vorstellen, so dass zur Absicherung des Fluges zwei Meteorologen eingesetzt wurden. Einer sollte sich an den eigentlichen Abflugort begeben und der andere zum Ausweichstartplatz am Fuße des Erzgebirges. Vorsorglich wurde der Hubschrauber nur am Ausweichstartplatz bereitgestellt.

Der Flug konnte schließlich bei Wetterminimum vom Ausweichstartplatz aus durchgeführt werden. Erschrocken war der dortige Meteorologe allerdings, als er mit Tagesanbruch die Umgebung erkennen konnte. Nicht weit entfernt vom Startplatz waren die Berge schon in den Wolken.
Der Meteorologe, der den Abflug vom eigentlichen Startplatz sicherstellen sollte, hatte diesen Platz wegen dichten Nebels nicht einmal gefunden.

3. Übergang der ZFWW in die Bundeswehr und deren Geophysikalischen Fachdienst

Mit Auflösung des ZGS zum 3. Oktober 1990 und Aufstellung des Radarführungskommandos 3, des Gefechtsstandes Luftverteidigungssektor 5, der sich direkt in den Räumen des ehemaligen ZGS befand, und der Leitstelle Ost des Such- und Rettungsdienstes, war an der ZFWW ein tiefgreifender Übergang in die neuen Strukturen verbunden. Das Fachpersonal wurde in den Geophysikalischen Beratungsdienst der Bundeswehr (GeophysBDBw) übernommen. Dabei waren die ZFWW in die Geophysikalische Beratungsstelle Kdo 5. LwDiv und die WIZ in die Datenleitstelle Ost zu überführen.

Die Trennung in Geophysikalische Beratungsstelle Kdo 5. LwDiv und Datenleitstelle Ost erfolgte mit der endgültigen Einnahme der neuen Struktur im April 1991. Für die Wettervorhersage und Wetterberatung war die Geophysikalische Beratungsstelle Kdo 5. LwDiv zuständig und für das Datenmanagement die Datenleitstelle.

3.1 Personelle Veränderungen

Allem voran stand zu Beginn die Einnahme der neuen Personalstruktur, die sich sehr schnell abzeichnete. Sämtliche militärische Dienstposten wurden zum 01.01.1991 in zivile Angestellten-Dienstposten umgewandelt, mit dem Ziel der späteren Übernahme in das Beamten-Verhältnis. Danach gab es in der Wettervorhersage laut Stellen- und Ausrüstungsnachweis (STAN, heute SollOrg) der Bw schichtfähig 24/7 nur noch einen Meteorologen mit FH-Abschluss, den Wetterberater, und einen Wetterdaten-Aufbereiter mit Abschluss Facharbeiter.

In allen Fällen bedeutete dies für das vorhandene und für die Aufgaben vorgesehene Personal eine Herabstufung in der Qualifikation. Einerseits vom Diplom-Meteorologen „univ“ zum Diplom-Meteorologen FH und zum anderen vom in der Regel Ingenieur-Meteorologen, in Einzelfällen sogar vom Diplom-Meteorologen „univ“, zum Facharbeiter. Aufgrund fehlender Alternativen hatten schlussendlich alle Mitarbeiter dieser Herabstufung zugestimmt.

Rückblickend haben sich die damaligen Entscheidungen als richtig erwiesen, da alle in der Bundeswehr verbliebenen Diplom-Meteorologen der ZFWW im Verlaufe der Zeit durch Bewerbung auf einen frei gewordenen Dienstposten wieder in den Höheren Dienst zurückkehren und sich teilweise sogar bis in führende Positionen im Fachdienst entwickeln konnten.

In der WIZ gab es schichtfähig nur noch einen Operator sowie einen Techniker im Tagesdienst. Zusätzlich waren ein Leiter, Dotierung FH-Abschluss, und ein Kraftfahrer ausgeplant.

Nicht übernommen wurden die Berufssoldaten Hard- und Softwarespezialisten sowie die zugehörigen Techniker, da es für dieses Personal im GeophysBDBw keine Verwendung gab. Hard- und Softwareentwicklungen in der Bw wurden und werden grundsätzlich an externe Anbieter abgegeben. Auch ist den betroffenen Personen kein Angebot für die Übernahme in einen anderen Bereich der Bw, z.B. IT, unterbreitet worden.

Ebenfalls nicht übernommen wurden die Zeitsoldaten Unteroffiziere/Unterfeldwebel, die in der WIZ eingesetzt waren. Weitestgehend allerdings auf eigenen Wunsch.

Schlussendlich erfolgte der personelle Abbau von ehemals 48 Beschäftigten in der ZFWW auf 16 Bedienstete in der Geophysikalischen Beratungsstelle Kdo 5. LwDiv, einschließlich Leiter, Schreibkraft und Überhangpersonal sowie 8 Bedienstete in der Datenleitstelle Ost.

Gekennzeichnet war die Zeit bis 1994 durch immer wiederkehrende personelle Änderungen. Einerseits kam Personal von Geophysikalischen Beratungsstellen aus aufgelösten Geschwadern hinzu, andererseits gab es bereits erste Versetzungen bzw. haben sich Mitarbeiter zum DWD oder andere Stellen beworben.
So hatte beispielsweise der Verfasser dieses Artikels im September 1992 die Gelegenheit, auf den Posten des Leiters der Geophysikalischen Beratungsstelle Neuhardenberg zu wechseln und somit wieder in den Höheren Dienst zurückzukehren.
Oder auch Dipl-Met Dr. Bernd Stiller, der sich Ende 1992 einer Firma angeschlossen hatte, die aus einem messtechnischen Bereich des Aerologischen Observatoriums Lindenberg entstanden ist. Durch den DWD war dieser Bereich nicht übernommen worden.

An dieser Stelle sei Werbung für das sehr ansehenswerte Wettermuseum in Lindenberg gestattet. Dr. Stiller ist Gründungsmitglied dieses Vereins und bis heute dessen ehrenamtlicher Vorsitzender.

3.2 Geophysikalische Beratungsstelle Kdo 5. LwDiv 1991 bis 1994

Leiter der Geophysikalischen Beratungsstelle blieb, der nun ehemalige Leiter der ZFWW, Peter Alker.

Der fachliche Aufgabenbereich veränderte sich rasch. Er war vor allem geprägt durch: Nachtapothekenfunktion bedeutete Wetterberatung und -überwachung für die in Ostdeutschland stationierten Geschwader, an denen in Flugbetriebszeiten kein Beratungspersonal mehr vor Ort war. Dies war zu NVA-Zeiten undenkbar. Eher wäre wohl der Flugbetrieb eingestellt worden.

Die meteorologische Sicherstellung für die neuen Aufgabenbereiche umfasste das Erstellen der Wettervorhersagen: sowie, neu hinzugekommen, täglich die direkte Wetterberatung und Wetterüberwachung für Flüge der SAR- und RZ-Besatzungen und des Bundesgrenzschutzes.

Es entstand eine enge fachliche Zusammenarbeit mit dem Luftverteidigungssektor 5 und der Leitstelle Ost des Such- und Rettungsdienstes.

Während die drei SAR-Kommandos dauerhaft von der Lw betrieben wurden, hat sich die Anzahl der RZ und damit auch der Beratungsauftrag wegen Übergabe an Träger außerhalb der Bw, z.B. ADAC, mit der Zeit verringert.

Dem Bundesgrenzschutz wurde im Rahmen der Amtshilfe neben der für jeden Flug vorgeschriebenen Flugwetterberatung zusätzlich für Nachtflüge mit Restlichtverstärkungsbrillen (BIV-Brillen) die sogenannte BIV-Beratung erteilt. BIV-Beratung bedeutete Berechnung der nächtlichen, mit BIV-Brille festzustellenden, Mindestsichtweite zum Erkennen von Hindernissen im Flug, unter Berücksichtigung der aktuellen und vorhergesagten Wetterelemente. Diese Beratung gab es in der NVA bisher nicht.

Ab 1991 leider nicht fortgeführt wurden die täglichen Absprachen zur ornithologischen Lage. Dies bedeutete einen nicht unwesentlichen Informationsverlust, der auch durch die ab diesem Zeitraum bereitgestellten Radarinformationen zum Vogelzug nicht aufgefangen werden konnte.

Zum Kennenlernen der Arbeitsabläufe und Beratungsverfahren im GeophysBDBw waren für jeden Mitarbeiter verbindlich Ausbildungen am Arbeitsplatz an Geophysikalischen Beratungsstellen auf Flugplätzen der Bundeswehr und mehrere Lehrgänge an der Schule für Wehrgeophysik in Fürstenfeldbruck vorgeschrieben. Für die Meteorologen der Geophysikalischen Beratungsstelle Kdo 5. LwDiv kamen zusätzlich 2 Wochen Praktikum in der Vorhersagezentrale des Amtes für Wehrgeophysik (AWGeoPhys) in Traben-Trarbach (Mosel) hinzu.
Darüber hinaus hatte jeder Mitarbeiter Ost zwei mehrwöchige Verwaltungslehrgänge an Einrichtungen der Wehrverwaltung zu absolvieren.

Beratungsraum 302 · letzte Konfiguration vor Bauwerksschließung Ende 1994

Zur Unterstützung der fachlichen Arbeit hatte sich das im Wetterberatungsdienst der NVA durch Dirk Gottsmann (FWW Parow) in Eigeninitiative entwickelte PC-Programm METASSI bestens bewährt. Mittels dieses Programms konnten jegliche Meldungen, Informationen und Kartendarstellungen in Echtzeit realisiert werden. Das Programm wurde durch ihn kontinuierlich weiterentwickelt und an die neuen Aufgaben angepasst.
METASSI war bis 2007, trotz des offiziellen, aber im Umgang umständlichen, Fachsystems GeoBerT, das am stärksten genutzte Beratungssystem im Fachdienst. Erst mit Einführung des neuen Fachsystems NinJo, das gemeinsam, hier maßgeblich durch Beamte der Lw, mit dem DWD und den Wetterdiensten der Schweiz, Dänemarks und Kanadas entwickelt wurde, hatte METASSI rasch an Bedeutung verloren.

An den Wetterkonferenzen mit dem nun Deutschen Wetterdienst in Potsdam hat die Geophysikalische Beratungsstelle Kdo 5. LwDiv bis zum Schluss teilgenommen.

3.3 Datenleitstelle Ost 1991 bis 1994

Der neu geschaffene Leiterposten in der Datenleitstelle wurde zuerst von Helmut Enzmann besetzt und im Zuge der Schließung der Geophysikalischen Beratungsstelle Kdo 5. LwDiv im Februar 1994 von ROI Uwe Bormann übernommen, der 1993 von der Geophysikalischen Beratungsstelle Neuhardenberg nach Fürstenwalde gewechselt war.

In der Datenleitstelle Ost selbst hatten sich nach Übernahme durch den Geophysikalischen Beratungsdienst der Bundeswehr bis zur Auflösung diverse Änderungen ergeben, die jedoch mit der vorhandenen Technik und dem vorhandenen Automatisierungsgrad in den Arbeitsabläufen realisiert werden konnten. Die Aufgabe des Operators bestand vor allem in der Überwachung der Technik und dem Eingreifen bei Ausfällen. Allerdings nahm die Anzahl der zu verbreitenden Wettermeldungen aus dem Bereich der 5. LwDiv durch Schließung von Beratungsstellen stetig ab.

Wesentliche Veränderungen gab es in der Datenversorgung. Mit Übergang der Zentralen Wetterdienstelle Potsdam des MD der DDR in den DWD entfiel diese Schnittstelle zum Datenaustausch. Neu aufzubauen waren fachdienstinterne Verbindungen. Sehr bald liefen alle Daten von Fürstenwalde über Datendirektverbindung zur Geophysikalischen Datenleitstelle Nordwest Ankum und Bredstedt. Allerdings dann deutlich langsamer, als das bisher zum ehemaligen MD der DDR der Fall war.

Im Zuge der Einführung neuer Kommunikationsdienste war ab 1992 zusätzlich der Datenempfang über Satellitenverteildienst in den Arbeitsablauf zu integrieren. Mit einer Übertragungsrate von 2 Mbit/s bedeutete dies wieder einen echten Fortschritt.

4. Eckpunkte 1990 bis 1994 und Erläuterungen

Zur besseren Übersicht werden an dieser Stelle noch einmal chronologisch die wesentlichsten Eckpunkte für den Übergang der ZFWW in die Bundeswehr und deren Fachdienst, den Geophysikalischen Beratungsdienst der Bundeswehr, dargestellt.

03.10.1990 00:00 Uhr:
Umkleiden der Diensthabenden Besatzung von NVA-Uniform auf Felddienstanzug Bw (damals olivgrün). Neben diesem äußeren Zeichen erfolgte unmittelbar der Statuswechsel vom Berufssoldaten zum sogenannten Weiterverwender (für 2 Jahre) in der Bw.
Gleichzeitig verbunden war die teilweise Rückstufung um einen Dienstgrad, sofern Mindeststehzeiten im Dienstgrad bzw. Nachweis Befähigung im Dienstgrad gem. Bw-Vorschriften (damals jeweils 3 bzw. 3,5 Jahre) noch nicht erreicht waren. Z.B. Rückstufung vom OSL zum Major der Bw, selbst wenn die Beförderung bereits Jahre zurück lag. Oder gar vom Major zum Hauptmann der Bw. In diesem Falle fehlte der zeitlich erforderliche Nachweis für die Befähigung zum Höheren Dienst (Übergang vom Gehobenen in den H-Dienst), obwohl die Mindestvoraussetzung, Universitäts-Diplom, erfüllt war.

31.12.1990 24:00 Uhr:
Entlassung des Personals aus dem aktiven Wehrdienst (Grundgesetz, Artikel 87 a)

01.01.1991 00:00 Uhr:
Einstellung des Personals als Zivilbedienstete (Grundgesetz, Artikel 87 b). Gleichzeitig vorübergehende Rückstufung der bisherigen Offiziere im Gehalt auf BAT Va (heute E 9), unabhängig vom erreichten Dienstgrad. Vorgesehen war die Einstufung in BAT III, heute E 12.
Analog erfolgte die Einstufung bei den ehemaligen Fähnrichen bzw. Fw-Dienstgraden vorübergehend in den niedrigsten Dienstgrad im Mittleren Dienst.

05.04.1991: RAWET 17/91
Umbenennung der ZFWW in Geophysikalische Beratungsstelle Kdo 5. LwDiv sowie Umbenennung der WIZ in Datenleitstelle Ost.

30.03.1994 12:00 Uhr:
Einstellung der Wetterberatung am Standort Fürstenwalde.
Beginn der Versetzung des Personals an diverse Standorte, in der Regel in Westdeutschland, in Einzelfällen auch zum DWD.

15.04. 1994:
Verlegung des für die Dienstdurchführung am neuen Standort Münster in Westfalen vorgesehenen und versetzungsbereiten Personals sowie der dafür erforderlichen Technik. Verstärkung der dort vorhandenen Wetterzelle (2 Wetterberater) im Gefechtsstand des Lufttransportkommandos der Lw und Aufbau der neu aufzustellenden Geophysikalischen Beratungsstelle des Lufttransportkommandos.
Hier erfolgte wohl der seltene Fall, dass eine Einrichtung arbeitsfähig von Ost nach West transferiert wurde.

30.04.1994:
Ein genauer Termin zur Auflösung der Geophysikalischen Beratungsstelle Kdo 5. LwDiv kann nicht mehr genannt werden. De facto hat die Beratungsstelle an diesem Tag aufgehört zu existieren.

01.05.1994:
Aufnahme des regulären Dienstbetriebs in der neu aufgestellten Geophysikalischen Beratungsstelle des Lufttransportkommandos mit Leiter ORR Peter Alker im 24/7-Schichtdienst.
Sehr schnell entstand eine enge operationelle Zusammenarbeit mit dem Gefechtsstand, der mit der weltweiten Koordinierung und Überwachung des Lufttransports der Lw beauftragt war.
Interessant zu erwähnen, dass auch die SAR-Leitstelle Ost, nun mit erweitertem Aufgabenbereich, in das LTKdo verlegt wurde und somit die enge Zusammenarbeit weitergeführt werden konnte.

19.12.1994 12:00 Uhr:
Einstellung der Tätigkeit und anschließende Auflösung der Datenleitstelle Ost. Versetzung des größten Teils des Personals in das Amt für Wehrgeophysik nach Traben-Trarbach (Mosel) zur Verstärkung des IT-Bereichs.
Übernahme der Fernmelde-Vermittlungstätigkeit durch die Fernmeldezentrale des AWGeophys, „Fmz geophys aut“, in Traben-Trarbach und unter Nutzung des Satellitenverteildienstes.

Zeitraum 1992 bis 1993:
Verbeamtung des gesamten Personals in den jeweils niedrigsten Dienstgrad der vorgesehenen Laufbahn. Anschließend Durchlaufen der Laufbahn bis zum laut STAN vorgesehenen Dienstgrad.

Zeitraum 1991 bis Frühjahr 1993:
Überprüfung aller Mitarbeiter auf Stasi-Vergangenheit.
Anm.: Diese Überprüfung ist für das aus dem Osten übernommene Personal und vermutlich bis heute, Stand 2022, zusätzlicher Bestandteil der in der Bw alle 5 Jahre durchzuführenden Sicherheitsüberprüfung.

Erläuterung zu Formulierungen im Text:
Ausdrücklich verwendet wurden Formulierungen, die, soweit noch bekannt, bis 1990 zum offiziellen Sprachgebrauch gehörten. Da sie möglicherweise nicht allen bekannt sein dürften, werden sie nachfolgend erläutert.
  • OSL für Oberstleutnant, statt OTL in der Bundeswehr,
  • operativ, statt operationell,
  • Planstelle, statt Dienstposten. Die Planstelle setzte sich aus erreichbarem Dienstgrad und Dienststellung zusammen.
  • Ingenieurmeteorologe, vergleichbar Fachhochschulabsolvent in der Bundeswehr.
  • RAWET lfd. Nr./YY:
    RAWETs dienten im MD der Bekanntgabe von fachlichen Informationen. Durchnummerierung für das laufende Jahr, Jahreszahl zweistellig.

Anmerkung zu Laufbahn und Planstelle:

Im Gegensatz zur Bundeswehr begann für jeden Universitätsabsolventen in der NVA die militärische Laufbahn als Leutnant. Sofern der betreffende Soldat dann überhaupt eine Majors- oder Oberstleutnantsplanstelle hatte, war die Beförderung zum Major, also nach Bw-Vorschriften in den Höheren Dienst, frühestens nach 9 Jahren möglich.
In der Bundeswehr wird der Universitätsabsolvent als Hauptmann eingestellt und, quasi nach Bewährung, nach einem Jahr zum Major befördert.


1. Revision März 2022 ÷ hq