Es revolutionierte die Bereitstellung von Satellitenbildern für den Meteorologen und den Umgang damit.
Die digitalen Satellitenbilder waren im Vergleich zur bisherigen Papierform (Foto- bzw. Faxpapier) qualitativ
deutlich hochwertiger und der Meteorologe konnte interaktiv die Bilder bearbeiten. So gelang es zum Beispiel,
Wolkenstrukturen in allen Höhen deutlich genauer herauszuarbeiten oder sogar Bodennebel frühzeitig zu erkennen.![]() |
| Skizze Raumaufteilung 1990 |
Wegen nicht mehr zu schließender personeller Lücken wurden ab Mitte der 1980-iger Jahre schrittweise die
Dienstzeiten an den Divisionswetterwarten reduziert und schließlich diese Wetterwarten aufgelöst. Der dort
zu erfüllende Arbeitsumfang ist von der ZFWW übernommen worden. Aus diesem Grund wurde an der ZFWW neben
dem Arbeitsplatz des Diensthabenden Meteorologen der Arbeitsplatz Offizier Flugwetterdienst schichtfähig
24/7 neu eingerichtet.![]() |
| Wetterkarte digital » Software-Eigenentwicklung 03.09.1988 » Bildschirmcopy vom 8-Bit PC K1715 |
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| Ausschnitt Wetterkarte, mit Digigraph gezeichnet | Ausschnitt Wetterkarte » Detail |
Das Personal der WIZ hatte sämtlichen meteorologischen und ornithologischen Datenaustausch innerhalb und
außerhalb der ZFWW und des ZGS zu realisieren. Es war für den Empfang der erforderlichen Unterlagen,
das heißt insbesondere routinemäßig Wettermeldungen, aerologische Meldungen, Wetterkarten, Radar-
und Satellitenbilder, vom Meteorologischen Dienst der DDR, diversen militärischen Funksendern des
Warschauer Vertrages und einem Wettersender der Bundeswehr zuständig. Bei Bedarf auch für den Empfang
anderer Wetterdienste.
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Episode 1: Wetterkonferenzen mit dem Meteorologischen Dienst der DDR
Aus Gründen der Geheimhaltung wurde nach dem Umzug des ZGS 1978 von Strausberg nach Fürstenwalde bei Wetterkonferenzen der Teilnehmername der ZFWW „Strausberg“ beibehalten. Auch wusste niemand, dass wir uns in einem Bunker befanden. Während Wetterkonferenzen kam immer wieder einmal von der ZWD Potsdam oder anderen zivilen Kollegen die Anfrage: „Wie ist aktuell bei euch in Strausberg das Wetter?“ Nun hatten wir 2 Probleme: 1. Niemand durfte wissen, dass sich die ZFWW nicht mehr in Strausberg, sondern in Fürstenwalde befindet 2. Wie ist das Wetter tatsächlich am ehemaligen Standort der ZFWW in Strausberg? Bevor wir antworteten, haben wir uns mit der Ausrede geholfen, schnell noch einmal zum „Fenster rausschauen“ zu wollen und haben stattdessen auf die letzte Wettermeldung der Station Strausberg Nord (VS-14), auf das Wetterradar und Satellitenbilder geschaut. Zu beachten ist, dass die ehemalige ZFWW und die Wetterstation in Strausberg Nord ca. 10 km Luftlinie auseinander lagen. Das kann beim Wetter einen riesigen Unterschied bedeuten. So z.B. bei den Fragen, ob es auch schon regnet oder ob die Front die ZFWW schon überquert hat. Offensichtlich konnten wir bis zur Wende das Geheimnis gut wahren. Unsere Antworten schienen immer schlüssig gewesen zu sein. |
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Episode 2: Programm B-48 OSL Albrecht hatte bereits vor seiner Promotion zu Beginn der 1990-iger Jahre neben seiner Routinetätigkeit wissenschaftlich gearbeitet. In diesem Rahmen ist das Projekt B-48 entstanden, das in den 1980-iger Jahren zweimal täglich durch die Rechenzentrale gerechnet und der ZFWW zur Verfügung gestellt wurde. Mittels B-48 wurde aus der horizontalen Luftdruckverteilung die sogenannte „bodenreibungsbedingte Vertikalbewegung“ in der Atmosphäre, also das Aufsteigen bzw. Absinken der Luftmassen bis ca. 1500 m über Grund, berechnet und vorhergesagt. Diese Angaben dienten der Unterstützung bei der Bewölkungsprognose. Aufsteigende Vertikalbewegung bedeutet Verstärkung, absinkende dagegen Hemmung, der Wolkenbildung in diesem unteren Höhenbereich. Die Vorhersagen waren in der Regel hilfreich. Aber zuweilen kam es, wie es kommen musste. Keine Wettervorhersage ist 100 %-ig und insbesondere nicht, wenn der wetteraktive Bereich in der Atmosphäre mindestens bis 8 km und in Abhängigkeit von der Jahreszeit teilweise sogar noch deutlich höher reicht und eben nicht nur bis 1,5 km. Dann hatte OSL Albrecht zuweilen erheiternde Bemerkungen über das Projekt zu ertragen. |
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Episode 3: Die Rolle eines Gastwirts in der Wetterberatung Hubschrauberflüge zu den Grenztruppen nach Meiningen bildeten kein Problem, solange die Wetterbedingungen ausreichend waren. War zu erwarten, dass weder ein Überflug über den Thüringer Wald noch ein westliches Umfliegen ohne Probleme möglich war, mussten zusätzliche Wetterinformationen eingeholt werden. In diesen Fällen haben die Meteorologen gerne einen Gastwirt in der Nähe der Hohen Sonne bei Eisenach, am Westrand des Thüringer Waldes, angerufen und um Wettereinschätzung gebeten. Sobald er glaubhaft erklären konnte, dass Sicht und Wolkenuntergrenze ausreichen, wurde der Flug durchgeführt. |
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Episode 4: Wettervorhersage für einen Flug mit besonderer Bedeutung An einem wunderschönen Tag Ende Dezember, nur ein paar sehr hohe Wolken, Sichtweite über 10 km und schwacher Wind, hatte der Diensthabende Meteorologe für einen Flug des Ministers für Nationale Verteidigung am nächsten Tag vormittags aus dem oberen Erzgebirge nach Strausberg vorhergesagt, dass dieser Flug, so wie er geplant war, nicht durchführbar sein wird. Niemand konnte sich die Wetterverschlechterung vorstellen, so dass zur Absicherung des Fluges zwei Meteorologen eingesetzt wurden. Einer sollte sich an den eigentlichen Abflugort begeben und der andere zum Ausweichstartplatz am Fuße des Erzgebirges. Vorsorglich wurde der Hubschrauber nur am Ausweichstartplatz bereitgestellt. Der Flug konnte schließlich bei Wetterminimum vom Ausweichstartplatz aus durchgeführt werden. Erschrocken war der dortige Meteorologe allerdings, als er mit Tagesanbruch die Umgebung erkennen konnte. Nicht weit entfernt vom Startplatz waren die Berge schon in den Wolken. Der Meteorologe, der den Abflug vom eigentlichen Startplatz sicherstellen sollte, hatte diesen Platz wegen dichten Nebels nicht einmal gefunden. |
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| Beratungsraum 302 · letzte Konfiguration vor Bauwerksschließung Ende 1994 | |
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Erläuterung zu Formulierungen im Text: Ausdrücklich verwendet wurden Formulierungen, die, soweit noch bekannt, bis 1990 zum offiziellen Sprachgebrauch gehörten. Da sie möglicherweise nicht allen bekannt sein dürften, werden sie nachfolgend erläutert.
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Anmerkung zu Laufbahn und Planstelle:
Im Gegensatz zur Bundeswehr begann für jeden Universitätsabsolventen in der NVA die militärische Laufbahn als Leutnant. Sofern der betreffende Soldat dann überhaupt eine Majors- oder Oberstleutnantsplanstelle hatte, war die Beförderung zum Major, also nach Bw-Vorschriften in den Höheren Dienst, frühestens nach 9 Jahren möglich. In der Bundeswehr wird der Universitätsabsolvent als Hauptmann eingestellt und, quasi nach Bewährung, nach einem Jahr zum Major befördert. |
| 1. Revision März 2022 | ÷ hq |